Wieder daheim

Nach einener langen Rückreise über London sind wir in Düsseldorf wieder gelandet. Die Flüge an sich haben gut geklappt, der Transport der Räder (speziell Marens) nicht. Dazu aber dann später, sowie noch ein wenig von unseren Tagen in Buenos Aires, mehr. Jetzt müssen wir erstmal richtig ausschlafen…

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Die Räder nach dem Flug Conception – Santiago – Buenos Aires

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So sehen dann die schön verpackten Räder nach zwei Flügen mit Sky Airlines aus. Diesmal wurden die Räder nicht vorbeigebracht, wie sonst immer, sonder lagen mit auf dem Gepäckband.
Wenigstens haben wir nix extra für den Transport gezahlt.

Die letzten Tage im Sattel

Am Morgen schien, bzw. brannte schon sehr früh die Sonne auf uns. Das war ungewohnt, denn die letzten Tage waren immer einheitlich grau gestartet, um dann zuverlässig am Nachmittag in prallen Sonnenschein umzuschlagen. Darauf hatten wir uns inzwischen eingestellt und waren auch ganz zufrieden damit: Radfahrzen bei bedecktem Himmel und sobald das Zelt aufgebaut war, die Sonne geniessen.
Wir frühstückten am Seeufer und waren dort einem sehr starken Wind ausgesetzt. Das alles schienen nicht die besten Vorrausetzungen für unseren nächsten Trip zu sein. Als wir aber die Stadt verliessen ging es zwar erstmal ein paar Kilometer ständig bergauf, dafür war die Strecke gut ausgebaut und durch Bewuchs recht windgeschützt. Nach der Hälfte unserer 35 Tageskilometer hatten wir nochmal das Vergnügen auf Schotter zu fahren. Wir wussten, daß so ein Abschnitt kommen würde und hatten uns bewußt für diese, längere aber reizvollere Variante entschieden. Es gab jedenfalls nochmal richtiges „Carretera-Austral-Feeling“: rauf & runter, gemischt mit Staubwolken. Auch die Landschaft war irgendwie rauer und uriger, nicht mehr dieses mittlerweile übliche Wechselspiel von Ackerbau und Viehzucht. Am Ende gab es eine längere Abfahrt nach Coñaripe mit schönem See- und Vulkanblick. Direkt nach dem Zeltaufbau ging es erstmals zur Abkühlung ins Wasser.

Der nächste Tag  startete zwar dann mit brütender Hitze, war aber  mit ca. 22km ein Katzensprung. Wir blieben am Lago Calafquén und fuhren nur zum nächsten Ort, Licán Ray. Der Campingplatz lag ein wenig ausserhalb, dafür wieder direkt am See. Am Ufer konnten wir in den Ort laufen, mussten dafür aber durch einen Fluss waten. Mit hochgekrempelten Hosen war dann die Abkühlung unterwegs inklusive.
Im Ort gab es sowohl eine sehr gute Bäckerei, als auch Metzgerei. Damit waren die Zeichen klar auf selbstgemachte Hamburgesas, Steaks und Würstchen gesetzt. Grillmöglichkeiten gibt es sowieso auf jedem Campingplatz. Abgerundet wurde unser Einkauf noch mit dem herrvorragenden Kross Golden, ein bernsteinfarbenes recht süffiges Bier. Das hopfenbetonte Pilsener aus der gleichnamigen Brauerei ist zwar noch ein Ticken besser, war aber leider nicht mehr vorrätig.
Wir speisten also gut. Unsere Nachbar hörten ausnahmsweise keine 80er Jahre Musik sondern Ska-Punk, damit war für uns alles gut.

Am nächsten Tag fuhren wir weiter gen Norden. Unsere Tage in Chile sind gezählt und so haben wir immer mal wieder mit den verbleibenden Kilometern und unseren Resttagen hin und her jongliert. Da dieser Tag wieder sehr warm startete und unsere Strecke stark befahren war, haben wir in Villarica spontan beschlossen, nach nur 23 gefahrenen km doch noch eine Nacht dort zu verbringen. Der Ort liegt am gleichnamigen See und man kann auf den ebenso benannten Vulkan blicken, welcher fast beständig kleine Wölkchen ausstößt. Der Ort war als solches nicht sehr spannend, aber der Campingplatz unserer Wahl war dafür sehr nett auf einer Apfelbaumwiese gelegen, von denen wir auch naschten.
Für den Abend hatten wir bei der Bäckerei „Rostock“ (von Eugenio Fuchs) gutes Vollkorn-Sauerteigbrot gekauft und uns mit diversen Aufschnittvarianten, einem guten Camenbert und Rose eine schöne Brotzeit bereitet.

Der nächste Tag startete dann, wie erhofft wieder mal grau und so konnten wir 60km zügig abfahren. Bei Sonnenschein suchten und fanden wir eine geeignete Campingstelle an einem Flussufer, kochten noch ein wahrscheinlich letztes mal Nudeln mit Tomatensauce und verbrachten einen entspannten Abend. Ab und zu kamen nochmal Spaziergänger an den Fluss aber keiner bemerkte uns in unserem Nachtlager. Als drei Hunde durch die Sträucher, die uns Sichtschutz boten, kamen schlugen sie zu unserem Erstaunen nicht an. Sie guckten nur und zogen dann weiter.
In der Ferne hörte man leise die Panamericana rauschen. Damit hofften wir für den nächsten Tag auf optimale Bedinungen, um einen Bus nach Conception zu bekommen.

Leider wurden wir am nächsten Morgen eines besseren belehrt, denn mit den Fahrrädern wollte uns von dort kein Bus mitnehmen.
Also blieb uns nichts anderes über, als zum nächst größeren Ort, nach Temuco mit dem Rad zu fahren. Das hieß zwar nur 27km, die aber auf der Panamericana. Diese autobahnähnliche Strasse hätten wir eigentlich lieber ausgelassen, aber dank gutem Seitenstreifen ließ sie sich O.K. und zügig fahren. Im übrigen traf man auf dieser Strecke auch immer wieder auf Fußgänger/ Backpacker und Personen, die auf einen Bus warteten.
In Temuca angekommen, hatten wir erstmal Probleme uns zu orientieren. Die Strassen waren voller (fast stehender) Autos und Fussgänger und ein Busbahnhof war nicht direkt auszumachen.
Nach einigem hin und her haben wir dann einen Bus gefunden, der uns samt Rädern beförderte, allerdings mussten wir noch einen Zwischenstop in Los Angeles einlegen.
Da die Busse nach Conception ausgebucht waren, kauften wir Tickets für den nächsten Tag und suchten uns ein Hotel. Morgen früh gehts dann also nach Conception.
Von dort, der zweitgrößten Stadt Chiles, fliegen wir dann zu unserem letzten Zwischenhalt: Buenos Aires. Der radfahrende Teil ist somit definitv vorbei, die vier Tage in Argentiniens Hauptstadt bleiben die Räder flugverpackt.

Weiter von See zu See

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Inzwischen sind wir in Panguipulli angekommen und haben damit mal wieder einen See erreicht und endlich wieder einen Vulkan im Blick.
Zuvor hatten wir am Lago Ranco verschnauft. Zunächst in dem gleichnamigen Ort, auf einem recht staubigen Campingplatz, dafür mit einer langen Promenade am Seeufer. Danach ging es weiter zum nördlichen Teil des Sees, wo wir einen spontanen Zwischenstop in Bahia Coquie einlegten – dort haben wir das Strandfoto geschossen, daß wir als letztes hochgeladen haben. Es gab dort also einen richtigen, großen Strand mit ordentlich Brandung, vielen Menschen und einen schönen Blick auf die angrenzenden Berge. Auch dieser Campingplatz wurde pro Parcelle berechnet, die man mit bis zu sechs Personen belegen darf und so war er entsprechend teuer. Etwa 40€ kostet dort die Nacht, würde jemand in Deutschland solche Preise aufrufen würde er vermutlich Pleite gehen. Es gab keine guten Einkaufsmöglichkeiten, an allen Hinweisschildern und Wegweisern hing Coca Cola Werbung und das private Badezimmer, das im Preis inklusive war, war uns nicht so wichtig – also zogen wir bald weiter.
Dieses Sponsoring von Schildern von Coca Cola findet man hier ständig: Supermärkte, Kioske, Bäcker, Metzger usw. Wenn man in einem X-beliebigen Ortszentrum ist und sich umschaut ist man automatisch umzingelt von den beiden geschwungenen Worten auf rotem Grund. In den Supermärkten gibt es oft nur eine Sorte Wasser, dafür aber bis zu 15 Softdrinks in Flaschen bis 3 Liter. Da schon die Kleinsten hier mit dem Zuckerzeug versorgt werden gibt es ziemlich viele fette Kinder.

Hinter Futrono, einem recht quirligen Örtchen fanden wir dann nach einigem hin und her, einen (schlecht ausgeschilderten) Campingplatz, der unweit einer kleinen netten Bucht lag, danach verliessen wir den See wieder.
Schliesslich ging es weiter nach Los Lagos, das nur Zwischenstop zum Lago Panguipulli sein sollte. Die Strecke dorthin war nicht so besonders spannend, aber der Asphalt war gut, der Weg weitgehend eben und lange Zeit konnten wir mit Rückenwind fahren, sodaß die 52km im Nichts verflogen. Auch hier begegneten wir wieder keinem weiteren Reiseradler, daß diese hier eher selten sind, merkten wir erneut an dem euphorischen gehupe und/ oder gewinke der uns begegnenden Autofahrer.
Von Los Lagos hatten wir nichts erwartet, umso mehr freuten wir uns, als wir kurz vor Ortseingang einen schönen Flusslauf entdeckten, an dessen Ufer Zelte standen. Nachem wir einen Autounfall passiert hatten wo bestimmt hundert Leute zum gaffen rumstanden ging es noch schnell in den Ort. Dort haben wir ein paar Sachen für Abendessen und Frühstück eingekauft und uns wieder Richtung Fluss begeben. Leider gab es keinen öffentlichen Zugang, aber wir hatten ja die Zelte gesehen und schon früher festgestellt, daß es die Chilenen mit Verboten oder Geboten nicht immer so genau nehmen.
Also haben wir kurzerhand den provisorischen Drahtverschluss am Tor zum Gelände eines weitläufigen Rodeogeländes geöffnet, sind an den anderen Zelten vorbei gerollt und haben uns ein ruhiges Eckchen gesucht. Das war schnell gefunden und bevor wir unser Zelt aufgeschlagen haben, sind wir zur Erfrischung erst mal in den glasklaren Fluss gesprungen.
Für unser Zelt haben wir schliesslich einen guten Platz gefunden, gut gespeisst, ein Lagerfeuer entfacht und den leckeren Casillero del Diablo getrunken, einen Camenere-Rotwein, den wir bereits im Torres del Paine kennen gelernt hatten. Perfekter Ort, perfekter Abend.
Als wir am nächsten Morgen das Gelände verlassen wollten, mußten wir dann feststellen, daß der provisorische Verschluß am Tor inzwischen durch eine ordentliche Kette mit Schloss ausgewechselt worden war. Ausserdem stand dort ein Auto auf unsere Seite des Zaunes. Wir rechneten schon mit unbequemen Fragen oder ähnlichem, aber der Fahrer hatte anscheinend nur Freunde am Zaun eingesammelt, die durch eine kleine Klappe an der Seite Zugang fanden. Als er sah, daß wir das Gepäck von unseren Rädern nahmen, um ebenfalls durch die Klappe durchzukommen, beschimpfte er uns aber nicht etwa, sondern half uns beim Tragen und wünschte uns eine gute Reise.

Das nächste Ziel war dann der Lago Panguipulli mit dem gleichnamigen Örtchen. Wieder gibt es über die Strecke dorthin nichts besonderes zu berichten: 52km, Asphalt, etwas hügeliger, Brombeeren pflücken und naschen beim Zwischenstop.
Beim Reinfahren in den Zielort kamen wir an einem Lokal mit dem Namen „El Mirador“ vorbei. Es sah ansprechend aus, man hatte Ausblick auf den See und so legten wir dort spontan eine leckere Mittagspause ein. Später fanden wir dann auch wieder einen netten Campingplatz, der auf einer Anhöhe gelegen war und uns einen schönen Ausblick auf den See und auch den fernen 2.840m hohen Vulkan Villarica bot.

Sommerruhe an den Seen

Mal wieder eine kurze Meldung von uns. Wir haben die Radeltätigkeit vorerst mal eingestellt und lassen es uns an und in den Seen gut gehen. Tageweise sind hier bis zu 30 C, da gönnen wir uns mal eine längere Pause.

Die Netzverbindungen sind nicht so doll und es gibt im Moment auch nicht viel Neues zu berichten. Spätestens werded Ihr dann wohl nochmal aus Buenes Aires von uns hören, vielleicht auch schon eher – aber nur vielleicht.

Es schmeckt und riecht nach Sommer

Die Strecke entlang des Sees ließ sich sehr gut fahren. Auf fast ausschliesslich Asphalt, mit nur leichten Auf und Abs, entlang blühender Hortensienbüschen, wenig Verkehr und schönen Ausblicken. Da der Weg einer Halbinsel folgte, lugte immer wieder der Vulkan Orsorno hervor. Beständig hatte man den Eindruck im Münsterland oder in der Voreifel, je nach Hügeligkeit, zu radeln, wenn sich nicht immer wieder dieser Vulkan ins Bild gedrängt hätte. So liessen sich die gut 30km bis zum Pausenziel Frutillar entspannt bewältigen.  Dieses Örtchen liegt direkt am See und ist sowohl wegen des Badestrandes, als auch seiner deutschen Wurzeln sehr beliebt. Es gibt hier ein Freilichtmuseum, daß die Anfänge der Besiedlung veranschaulichen soll und eine Strandpromenade, an der im „Kuchenhaus“ „Kuchen“ verkauft wird und man im „Guten Appetit“ Sandwiches essen kann. Das war ganz interessant zu sehen, aber reichte uns für eine Durchreise. Die nächsten gut 30km liessen sich weiter entspannt an und wir fanden schliesslich einen einfachen Campingplatz, der auch auf einer Halbinsel gelegen war. Das Seengebiet ist bei den Chilenen sehr beliebt als Urlaubsziel und es sind gerade Ferien. Wir merken immer wieder, daß im selben Verhältnis wie die Anzahl der Fahrradreisenden abnimmt, die Zahl der urlaubenden chilenischen Familien zunimmt. Trotzdem war dieser Zeltplatz zum Glück nicht überlaufen. Kurz vorher waren wir einem Hinweisschild gefolgt, daß Käsespezialitäten anpries – das konnten wir uns einfach nicht entgehen lassen, denn der Käse, den man ansonsten im Supermarkt kaufen kann, schmeckt nach nicht viel. Neben verschiedenen Käsesorten in unterschiedlichen Reifegraden, haben wir dann noch Salami und selbstgeschöpfte Butter erstanden. Ergänzt mit Brötchen und Rotwein konnten wir so eine entspannte Brotzeit am Seeufer in der Dämmerung verspeisen.
Apropro Dämmerung: die setzt inzwischen deutlich früher ein, als zu Beginn. Wurde es in Punta Arenas erst nach 23h langsam dunkel und bereits um 5.30h wieder hell, so geht inzwischen die Sonne bereits um 21h unter und erst um 7h wieder auf.
Das Seengebiet wird oft als recht regnerisch beschrieben, für uns schien hier hauptsächlich die Sonne, mit angenehm warmen Temperaturen dabei.

Der nächste Tag stand dann wieder eher unter dem Aspekt „Strecke machen“ und auch das ging gut, denn die Strasse war über deutlich längere Abschnitte aspaltiert, als gedacht. Nach Karte und Bescheibung sollten es so 30km Schotterpiste sein, tatsächlich waren es 4km, der Rest war bereits asphaltiert und wenig befahren. Als wir schliesslich gerade Pause machen wollten, tauchte eine ganze Reihe von reifen Brombeerbüschen neben uns auf. Selbstverständlich haben wir unsere Fahrräder schnell geparkt und uns bestimmt eine halbe Stunde den Brombeeren gewidmet – köstlich!
Die letzen 18km vergingen im üblichen Auf und Ab und im Flug. Wieder haben wir einen Campingplatz am Seeufer gefunden und diesmal war es auch noch warm und früh genug, um eine kleine Runde im See zu schwimmen. Zufrieden liessen wir den Abend mit Blick aufs Wasser ausklingen und gingen zeitig schlafen. Leider konnten wir diese Nacht überhaupt keine Ruhe finden: zwei Familien haben so laut und lange gegrillt, getrunken und Musik gehört, daß man immer wieder wach wurde. Jedesmal wenn man dachte, es wird weniger, ging es kurze Zeit später wieder los. Um 4h morgens war noch lange nicht Schluss und um 9.30h ging es dann auch wieder los. Wir fühlten uns nicht fähig, uns zu beschweren und da waren andere, die viel näher daran standen, die aber leider nichts sagten. Naja.

Am Abend hatten wir noch kurzfristig unsere Reiseplanung um einen weiteren Nationalpark erweitert. Es ging entspannt am Lago Puyehue entlang Richtung Osten zum gleichnamigen Park. Nur auf den letzten Kilometern ging es nochmal gut bergauf.

Der ganz nett gelegene Campingplatz an einem Fluss sollte dann aber der teuerste der ganzen Reise werden. Man bezahlt nämlich nicht wie sonst üblich pro Nase, sondern man mietet eine Parzelle. Dort sind ein überdachter Tisch mit Licht und Steckdose, sowie Waschbecken und Feuerstelle vorhanden. Umgerechnet zahlen wir so 28€ pro Nacht, wenigstens ist das Feuerholz (alte Panelen einer Hütte) für lau. Andererseits würde sich die Parkverwaltung auch keinen gefallen tun, wäre das nicht so, die grillverrückten Chilenen würden dann wohl kurzerhand den Urwald roden.
Noch am Abend machten wir uns auf zu einer kurzen Tour zu einem Ausguck durch den Regenwald. Der Weg war schön mit ein paar Baumriesen, der Ausguck war dann wenig spektakulär, da man nur ein Stück vom See sehen konnte.
Es gibt hier ein paar Thermalquellen, die ein kleines völlig überfülltes Hallenbad beheizen, ein ziemlich verdecktes, aber auch gut besuchtes Freibad gibt es auch noch. Wir ersparten uns die 12€ Eintritt.
Trotzdem ist der große Parkplatz gut gefüllt. Viele Besucher scheinen nur zum nahe gelegenen Picknickplatz zu gehen und fahren wieder, nicht ohne nochmal ein Beweissfoto von sich vor dem Parkschild zu machen.

Am nächsten Tag haben wir noch zwei kurze Wanderungen unternommen, bei denen wir quasi niemanden getroffen haben und sonst in der Sonne gefaullentzt.

Aufbruch ins Seengebiet

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In dem Hostel, bzw. unserem Wohnwagen haben wir uns wohlgefühlt – das einzig nervige war, dass es für die bis zu 14 Besucher nur ein einziges Bad, also WC und Dusche kombiniert,  gab! Man kann sich vorstellen, dass das regelmässig zu Warteschlangen führte, vor allem Morgens und Abends. Dafür war das Frühstück O.K., vor allem die selbstgemachte Marmelade Kirsch-Banane schmeckte uns so gut, dass wir uns ein Glas für die Weiterreise mitgenommen haben.

Ansonsten ist Coyhaique ein nettes Städtchen und wir haben die Zeit entspannt verstreichen lassen. Auch hier gibt es wieder jede Menge streunende Hunde. Wir hatten ja schon aus Punta Arenas darüber geschrieben und im Endeffekt ist es so, dass in jedem Städtchen viele Hunde frei herum laufen und trotzdem sieht man so gut wie keine Hudnescheisse herumliegen – schon gar nicht auf Bürgersteigen o.ä. Diese Hunde sind wirklich alle ganz entspannt, sie interessieren sich eigentlich nur für dich, wenn Du etwas zu Essen dabei hast und selbst dann werden sie nicht lästig. Wenn wir hingegen auf den einsameren Strassen unterwegs sind, dann sieht das etwas anders aus. Dann ist es durchaus so, dass die Hunde laut bellen und dich vielleicht auch verfolgen. Einmal kam uns das auch schon etwas aggressiver vor, als üblich, aber brenzlich wurde es nie.

Ansonsten haben wir die Zeit in Coyhaique genutzt und nach und nach unsere Räder flugtauglich gemacht. Im örtlichen, überraschend gut sortierten Fahrradgeschäft gab es leider keine Fahrradkartons für uns und so folgten wir der schon in Portugal bewährten Strategie und machten uns auf die Suche nach nicht mehr gebrauchten Umverpackungen. Im grossen Baumarkt am Stadtrand wurden wir dann schnell fündig. Irgendwie konnten wir unser Anliegen auch vermitteln, obwohl unser Spanisch wirklich nur in Bruchteilen vorhanden ist und nur wenige Chilenen Englisch sprechen – in dem Fall keiner. Das Sammeln des Materials und das Verpacken an sich haben wir dann in mehreren Abschnitten erledigt – so war es dann nicht ganz so nervig, als wenn man über Stunden am Stück damit beschäftigt wäre. Ergänzend haben wir dann noch nachträglich Paketklebeband im grossen Supermarkt nachgekauft, da wir aus unseren vier Packtaschen wieder zwei „Gepäckstücke“ machen wollten, in Kartons verpackt. Dieser Supermarkt war wirklich sehr gross – so eine Art Kaufland. Aber erstaunlicher Weise bildeten sich dort unfassbare Warteschlangen an den ca. 10 Kassen. Wir standen wirklich 25min an, bis wir an der Reihe waren.

Am letzten Abend sind wir dann noch einmal Essen gegangen. Das zuerst angestrebte Lokal „Dali“, dass sehr nett aussah und etwas feinere patagonische Küche bieten sollte, war leider geschlossen. Kurzerhand gingen wir in ein anderes Lokal, dass uns empfohlen wurde und bestellten dort eine Grillplatte für zwei. Neben verschiedenen Fleischstücken beinhaltete diese auch Würstchen und etwas von dem wir denken, dass es Innereien waren. Wir haben alles probiert und fast alles aufgegessen. Auf jeden Fall war das ein netter Abschluss inklusive chilenischen Rotwein.

Eher zufällig hatten wir festgestellen, dass der Flughafen noch mal 55km von Coyhaique entfernt liegt und das noch dazu in der Richtung, aus der wir vor ein paar Tagen angereist waren. Kurzerhand haben wir auf Empfehlung des Hostels einen Transfer im Minibus gechartert, der uns dann um 8h morgens einsammelte und rechtzeitig am Flughafen ablieferte. Allerdings war die Warteschlange in der Abfertigungshalle so lang, dass es schon fast wieder aus dem Gebäude herausging. Nach ca. 40min waren wir dann endlich an der Reihe zum Check-In. Da man nie so genau weiss, wie auf die Fahrräder und unsere Verpackung reagiert wird, wurde es hier nochmal spannend. Die Verpackung wurde nicht beanstanded, aber irgendetwas anderes, was wir aber mit unseren mangelden Spanisch-Kenntnissen  nicht verstehen konnten und auch hier wurde kein Englisch gesprochen. Irgendwann wurde es der Dame anscheinend zu bunt und entnervt wurden unsere Räder zum abtransport weitergeschoben. Puh, alles gut gegangen und wir mussten auch nichts mehr extra für die Räder zahlen.

Gelandet sind wir dann am Flughafen von Puerto Montt. Von hier aus waren es dann noch niedliche 19km nach Puerto Varas, unserem Tagesziel. Obwohl unsere neu erworbene Karte behauptet, dass es nun fast nur noch asphaltierte Strassen gäbe, wurden wir direkt eines besseren belehrt und fuhren wieder mal ein Stück Schotterstrasse – was aber O.K. war.

Die Landschaft sah nun schon wieder ganz anders aus, eher nach norddeutscher Tiefebene mit Ackerbau und Viehzucht. Dazu kommt, dass diese Gegend viele deutsche Einwanderer aus den 1850er Jahren hat, die anscheinend viele Spuren in Architektur und Speisen hinterlassen haben. Schnell haben wir ein nettes Hostel mit Zeltmöglichkeit gefunden. Diese wird in dem haueigenen Flyer als „beautiful  Garden“ angepriesene. Diese Vormulierung ist sehr euphemistisch, aber man kann sich dort ansonsten wohlfühlen, z.B. in der nutzbaren Küche oder dem netten Wohnraum. Das beinhaltete Früstück war auch gut.

Puerto Varas liegt direkt am Lago Llanquihue und man hat einen perfekten Ausblick auf den Vulkan Osorno auf der anderen Seite des Sees, der wegen seines fast perfekten Kegels sehr beliebt ist. Wieder haben wir nichts besonderes unternommen, sondern sind es entspannt angegangen. Einen kleinen Rundgang haben wir zu den beiden Ausgucken unternommen, vorbei an alten Häusern mit Schindeln als Wandverkleidung. Wir sind durch das Städtchen flaniert, haben verschiedene Kuchen gegessen und die Leute am Badestrand beobachtet. Es gibt hier auch einen Club Alleman, indem man anscheinend Schweinbraten mit Sauerkraut essen kann. Morgen wollen wir über Frutillar nach Puerto Octay fahren und sind froh, uns mal wieder etwas mehr zu bewegen und die Völlereien der letzten Tage zu beenden – aber heute Abend gehen wir trotzdem noch einmal essen, bevor wir die nächsten Tage wieder auf Nudel mit Tomatensauce und Linsen mit Allerlei wechseln.